Der Ausgang der Arbeiten von Daniela Kwee ist die künstlerische Auseinandersetzung mit indianischen Symbolen, asiatischen Schriftzeichen und der Höhlenmalerei der Steinzeit. Daniela Kwee reist durch Asien, USA, Russland und dem Mittleren Osten um sich auf Spurensuche zu begeben und sich durch ferne Länder künstlerisch inspirieren zu lassen. Sie lernte die Zeichensprache der Lakota Indianer und fühlt sich sehr verbunden mit dem Ritus der Sandmalerei der Navajos, die ihre Bilder morgens mit gefärbten Sand erschaffen und vor Sonnenuntergang wieder zerstören, um Böses zu vertreiben. Malen tut Daniela Kwee mit ungeschnittenen Pigmenten, sowie mit Asche und Erde. Diese sammelt sie auf ihren Reisen, z. B. die rote Erde auf Hawaii, Erde in besonderen Brauntönen kommt aus Japan und China. In ihrem aktuellen Bilderzyklus arbeitet Daniela Kwee mit Blattgold, nimmt mit und durch diese Technik den Betrachter mit auf Reisen, die sie mit Kamelen in einer Karawane antreten. Es stellen sich die Fragen: "Wo geht die Reise hin?" und "Befinden wir uns im goldenen Zeitalter?" Im Bildaufbau der Arbeiten von Daniela Kwee ist oben-unten, hinten-vorne aufgehoben. Auf all ihren sehr farbintensiven Arbeiten entfaltet sich ein spielerisches Und gleichberechtigtes Miteinander von Tieren, Menschen, Planeten, Wasser, Himmel und Erde. Der Betrachter kann mit Hilfe der Werke auf der Suche nach sich selbst sein und eine lebendige Reise antreten.

Viola Kwoke

[...] Betreten wir die Bilderwelt von Daniela Kwee und sehen uns um: wir erkennen blau-, rot-, gelb- leuchtende, farbstarke Tableaus oder erd- und kreidefarbene Kompositionen mit archaischen Tier-, Menschen und Pflanzensymbolen. Die Formensprache der Künstlerin erinnert an steinzeitliche Höhlenmalerei, an Zeichnungen afrikanischer, indianischer und südamerikanischer Völker, manchmal auch an Kinderkritzeleien. Vor unseren Augen entfaltet sich ein leichtes, spielerisches Miteinander von Erde, Wasser und Himmel, von Planeten, Fischen, Füchsen, Mensch, Stachel-, Gürtel- und Fabeltier. Es gibt sogar Zeichen, in denen Mensch und Tier zu einem Symbol verschmelzen. [...] König Mensch unternimmt eine "Bootsfahrt mit Schnecke" durch das Universum. Tempo und Kurs bestimmt das kleine Kriechtier. Das Ruder ruht. Die Zeit scheint still zu stehen. Die Krone der Schöpfung - ganz entspannt - lauscht dem Reisegefährten, dem goldgelben Wellenschlag und den Sphärenklängen der Gestirne. Den Weg in dieses sonnige Zentrum eröffnet die Leiter, Stufen, die erklommen werden müssen, will man dorthin. In den "Variationen" z.B., die mit Entwickler auf Fotopapier skizziert sind, taucht die Schnecke wieder auf: Sie macht sich daran, eine Leiter hinaufzukriechen - Symbol vielleicht für eine neue Art Fortschritt, die uns künftig nur noch sehr bedächtige Bewegungen erlaubt. "Das Wichtige ist der Weg" heißt eine andere Arbeit, deren Format bereits ein Stück Weg von hier nach dort andeutet. Unterwegs sein ist das Wichtigste. Das erfordert Schritt für Schritt Aufmerksamkeit, Achtsamkeit auch für die Zeichen und Spuren am Weg. Schritt für Schritt entfaltet sich das Leben: im Nächstliegenden jeweils. Von unterwegs sein in ruhiger Bewegung und vom Lernen von der Natur- davon erzählen die Schöpfungen von Daniela Kwee: einen " Spaziergang " unter Wasser "machen, das Element kennen lernen, aus dem wir kommen, in dem wir aber nicht mehr zu Hause sind. [...] Wir wissen es, die Zukunft der Erde und der folgenden Generationen hängt ab von Einsicht und Handeln der Menschen, die heute leben. Von uns. Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, jeder Einzelne ist in seinen Lebenszusammenhängen täglich vor konkrete Entscheidungen gestellt, die Wirkungen auf die Gesundheit und den Fortbestand von Mensch und Umwelt haben. Die Arbeiten von Daniela Kwee lassen sich lesen als Wegmarken, Verkehrszeichen oder emblematische Leit-Bilder für den zukunftstauglichen Menschen.[...] 

Martha Hölters-Freier, Umweltbundesamt 

[...] Daniela Kwees Arbeiten zeigen keine fest fixierten Wirklichkeiten sondern sind offene Räume, in denen alles möglich ist: Stille und Lärm, Statik und Dynamik, Kampf und Frieden, Liebe und Hass. Gegenwart und Vergangenheit überschneiden sich hier, Zeitebenen werden verschränkt.[...] Es gibt die Verwendung von Zeichen und manchmal rätselhaften Gestalten, die frei im Raum zu schweben scheinen. Auch deren Eigenleben ist offen: Erst der Betrachter bringt diese Zeichen, Symbole und Gestalten dazu, Geschichten zu erzählen - Geschichten vom geliebten oder verfluchten Gestern, von der Gegenwart, von der man glaubt zu wissen, wie sie ist, und der Zukunft, die einem sagen wird, was Gegenwart war. So erzählt Daniela Kwee in ihren Arbeiten nicht nur eine Geschichte von sich, sondern sie schafft einen Raum für Geschichten, für unsere Geschichten, unsere Erinnerungen, unsere Träume und Gedanken über uns, die Anderen und über die Welt.[...] Wasser bedeutet für Daniela Kwee Freiheit von Zwängen, Schweben, sich leicht fühlen, aber auch gleichzeitig Tiefe, aus der das Unbekannte, das Geheimnisvolle auftauchen kann. Vor diesem Unbekannten hat sie jedoch keine Angst, zumal die Bewohner dieser Welten, die Fische, Quallen, die Seesterne den hinabtauchenden Menschen spielerisch umgeben- oder vielleicht doch auch bedrohen? [...] Trotz dieser scheinbaren oder möglichen Bedrohlichkeit bleibt Wasser für Daniela Kwee der Ort einer unstillbaren Sehnsucht.[...] Wasser , so sagt Daniela Kwee, ist für sie "Lebensdurstig", Leben an sich. Die Fische, die in diesem Medium leben, werden so zum Gegenstand ihres besonderen Interesses. Sie kommen aus geheimnisvollen Tiefen, alleine oder in Schwärmen, gesellig oder vereinzelt, sie kommen und verschwinden wieder und werden so für Daniela Kwee zu Stellvertretern ihres Wunsches nach Freiheit, nach Ungebundenheit. Gleichzeitig brauchen sie das Licht, das vom Himmel kommt, zum Leben. 

Dr. Joachim G. Jacobs